Letztes Update: 04.07.20

 

Was macht eigentlich einen guten Kaninchenstall im Freien aus? Wie bekommt man ihn winterfest und worauf sollte man beim Kauf achten, um die Mindestanforderungen an eine artgerechte Haltung zu erfüllen? Wir verraten Ihnen, worauf Sie beim Kauf achten sollten und warum nicht jeder sogenannte Kaninchenstall Testsieger seinen Namen auch verdient hat.

 

Grundlegendes zum Kaninchenstall

Da Kaninchen Auslauf, frische Luft, Schutz und Rückzugsmöglichkeiten benötigen, ist es mit dem Kauf eines einfachen Kaninchenstalls nicht getan. Die Tiere sollen nicht alleine gehalten werden und benötigen eine Mindestgröße ihres Geheges, die über der Größe der meisten Kaninchenställe am Markt liegt. Daher ist es entsprechend notwendig, den Tieren täglichen Auslauf zu gewähren (8 Stunden) oder alternativ einen Outdoor-Kaninchenstall entsprechend um en Freigehege zu ergänzen, um die Mindestanforderungen erfüllen zu können.

Man geht bei Kaninchen von folgender Mindestgröße eines Außengeheges inklusive Stall aus:

  • Bis zu drei Kaninchen: > 6m²
  • Bis zu sechs Kaninchen: > 10m²

Hat man einen Stall und darüber hinaus ein zusätzliches Freigehege, in dem die Tiere jeden Tag Auslauf bekommen, reichen etwas kleinere Kaninchenställe aus:

  • Bis zu zwei Kaninchen:   > 4m²
  • Bis zu sechs Kaninchen: > 6m²

Wenn Sie sichergestellt haben, dass die Tiere den benötigten Auslauf bekommen und Sie eine Größe für den reinen Kaninchenstall für sich definiert haben, können Sie sich den weiteren Kaufkriterien widmen, die einen winterfesten Kaninchenstall ausmachen.

 

1. Material

Je solider der Käfig bzw. Stall verarbeitet ist, desto langlebiger ist er auch. Zwar gibt es auch Kaninchenställe aus Kunststoff, Holz ist jedoch stets das Material der Wahl, sofern es unbehandelt ist. Es isoliert zudem deutlich besser gegen Kälte von unten, was für einen winterfesten Kaninchenstall unverzichtbar ist. Unserer Meinung nach ist ein Stall aus Kunststoff nie empfehlenswert, denn Kunststoff kann für die Tiere gefährlich werden, wenn sie kleine Stücke abnagen und verschlucken. Gleichzeitig macht eine Kunststoffwanne jedoch die Reinigung deutlich einfacher und unkomplizierter und Kunststoff kann ebenfalls wetterfest sein. Ein Kunststoffkäfig, der direkt auf gefrorenem Boden steht, muss allerdings stets isoliert werden. Die Eigenschaften von Kunststoff können jedoch insbesondere im Innenraum von Vorteil sein. Holz hingegen ist ein natürliches und ungiftiges Material, muss aber stets unbehandelt oder lediglich mit rein biologischem Öl behandelt sein. Darauf sollten Sie unbedingt achten.

Neben dem Material spielt aber auch die Verarbeitungsqualität eine große Rolle. Hochwertige Kaninchenställe aus Holz sind deutlich teurer als einfache Kunststoffkäfige. Insbesondere Letztere sind für eine artgerechte Haltung jedoch keinesfalls empfehlenswert. Achten Sie auch darauf, dass nicht nur der Stall ordentlich vor Wind und Wetter geschützt ist, wenn Sie ihn im Freien aufstellen möchten, sondern dass er innen auch komplett frostfrei ist. Ein gut versiegeltes Dach und sicher verschließbare Türen zum Schutz vor Raubtieren sind unverzichtbare Eigenschaften. Darüber hinaus sollten Sie darüber nachdenken, den Rückzugsort im Inneren zusätzlich zu isolieren, damit er vor Kälte besser geschützt ist.

 

2. Reinigung und Zugänglichkeit

Es ist wichtig, den Kaninchenstall auch im Winter regelmäßig zu reinigen, auch wenn Kaninchen an sich recht reinliche Tiere sind und sich beispielsweise häufig eine Ecke als Toilette aussuchen. Je größer die verschiedenen Türen und Tore sind, desto einfacher kommt man auch in den letzten Winkel des Käfigs gut heran, um ihn unkompliziert reinigen zu können. Manche Modelle bieten auch eine herausziehbare Kotschublade, die mit Streu bestückt und einfach gereinigt werden kann. Auch ein aufklappbares Dach kann die Reinigung deutlich erleichtern.

Damit unangenehme Gerüche sich nichts im Holz festsetzen, sind Metallunterlagen oder ein Auskleiden der zu reinigenden Schublade sehr empfehlenswert. Viele Käfige sind damit bereits ausgestattet.

3. Abstand der Gitterstäbe

Insbesondere, wer schon einmal Kaninchen-Nachwuchs hatte, weiß, wie wichtig eng aneinander liegende Gitterstäbe oder ein feinmaschigeres Gitter sind. Dies hat zwar mit der Winterfestigkeit nichts zu tun, ist aber dennoch etwas, auf das man in jedem Fall achten sollte. Durch Gitterstäbe, die zu weit auseinander liegen, können Jungtiere hindurch schlüpfen und ausgewachsene Tiere können mit dem Kopf festhängen, wenn sich die Stäbe leicht auseinanderdrücken lassen. Empfehlenswerter ist daher ein Drahtgeflecht, das ausreichend viel Licht hindurchlässt und gleichzeitig keine Möglichkeit bietet, den Kopf hindurchstecken zu können.

Alternativ gibt es auch viele Kaninchenställe, die statt mit Gittern mit Plexiglas-Fenstern ausgestattet sind. Auch dies ist durchaus gut möglich und bietet den Tieren die Möglichkeit, nach draußen zu schauen. Hierbei müssen Sie aber darauf achten, dass es keine Kanten gibt, an denen die Tiere am Kunststoff nagen können, denn dies kann zu Gesundheitsproblemen führen.

 

4. Stabilität

Viele Kaninchenställe sind auf Stelzen gebaut und damit erhöht. Dies ist zwar gut für den Schutz vor Bodenfeuchte und Frost im Freien, birgt aber gleichzeitig auch das Risiko, dass der Stall nicht so standfest und damit nicht so langlebig ist. Achten Sie daher hierbei insbesondere auf eine hochwertige Verarbeitung, damit der Stall bei einem starken Wind oder einem kräftigen Stoß nicht umkippen oder zusammenbrechen kann.

Für die Wetterfestigkeit ist es sehr empfehlenswert, den Stall im Gehege etwas erhöht aufzustellen und für eine gute Isolierung von unten her zu sorgen. Dickes Holz mit einer dicken Schicht Einstreu ist hier in der Regel optimal.

 

5. Preis-Leistung

Natürlich ist auch ein fairer Preis ein wichtiges Kriterium, denn obwohl ein hochwertiger Stall nicht günstig ist, muss man sich gleichzeitig auch nicht in hohe Unkosten stürzen, wenn es um das Halten von Kaninchen geht. Denken Sie zudem daran, dass es mit einem Stall alleine in der Regel nicht getan ist, denn ein Freilaufgehege oder ein angrenzender Auslauf sowie Zubehör und laufende Kosten kommen ebenfalls hinzu. Wägen Sie daher stets zwischen Ausstattung, Verarbeitung und Preis ab, bevor Sie sich für ein Modell entscheiden.

 

6. Ausstattung

Viele Kaninchenställe sind bereits mit verschiedenem Zubehör wie Rampen, Brücken, kleinem Rückzugsort oder auch Näpfen für Futter und Wasser ausgestattet. Ist solches Zubehör im Preis bereits enthalten, müssen Sie es nicht mehr separat kaufen, was wiederum die Folgekosten senkt. Die Ausstattung ist daher beim Preisvergleich unbedingt zu berücksichtigen.

Gerade im Winter haben zweistöckige Kaninchenställe einen großen Vorteil. Denn an den Boden im zweiten Stock kann kein Frost herankommen und es bietet eine hervorragende Möglichkeit, einen Rückzugsort auf der oberen Etage zu realisieren, der kuschelig, warm und gut vor Wind und Wetter geschützt ist.

 

7. Größe des reinen Käfigs ohne Auslauffläche

Wenn man die Größe des Auslaufs unberücksichtigt lässt, den man dem Tier zusätzlich gewähren muss, gibt es einige grobe Richtlinien, an denen man sich bei der Mindestgröße orientieren kann. Diese ist abhängig von der Kaninchenrasse, also der Größe des Tiers. Je Tier sollten folgende Volumenmaße zur Verfügung stehen (je weiterem Tier kann man etwas unterhalb des doppelten Wertes (außer der Höhe) liegen):

  • Zwergkaninchen-Rassen bis 1,5 kg: ~ 60 x 60 x 50 cm
  • Zwergkaninchen-Rassen bis 2 kg: ~ 60 x 70 x 50 cm
  • Kleine Kaninchenrassen bis 4 kg: ~ 70 x 75 x 60 cm
  • Mittelgroße Kaninchenrassen bis 5,5 kg: ~ 85 x 80 x 60 cm
  • Große Kaninchenrassen über 5,5 kg: ~ 110 x 80 x 70 cm

Grundsätzlich kann der Stall nie zu groß sein. Je größer, desto besser also. Über mehrere Stockwerke in der Höhe kann man sich gegebenenfalls ein wenig in Breite und Tiefe einsparen, falls wenig Platz zur Verfügung steht. An den empfohlenen Richtwerten sollte man sich aber stets orientieren, um die Tiere artgerecht halten zu können.

 

Weitere Kriterien für eine artgerechte Haltung im Winter

Besonders an kalten Tagen kuscheln sich die Tiere gern aneinander. Entsprechend sollte im Kaninchenstall zusätzlich eine Rückzugsmöglichkeit vorhanden sein, die frei von Bodenfrost ist und ausreichend viel Platz bietet, damit sich die Tiere gegenseitig warmhalten können. Dieser Innenraum wird von den Tieren in der Regel nicht als Toilette missbraucht, so dass eine Reinigung im wöchentlichen Intervall üblicherweise ausreicht.

Achten Sie darauf, dass dieser Rückzugsort gemütlich und nicht zu groß ist, nur eine kleine Öffnung hat, damit er vor Wind geschützt ist und darüber hinaus nicht einfach nur aus dünnem Kunststoff oder Metall besteht. Ein kleines Innenhäuschen aus Holz ist hierfür ideal. Den umliegenden Auslauf müssen Sie nicht unbedingt vor Frost schützen, denn hier halten sich die Tiere an kalten Tagen ohnehin nicht auf. Achten Sie aber darauf, dass sie sowohl die Futterstelle als auch das Wasser stets erreichen können, ohne direkt mit dem kalten Boden oder gar Schnee in Berührung kommen zu müssen.

Wetterfesten Kaninchenkäfig kaufen – Internet vs. Fachhandel

Sowohl der Kauf im Internet als auch der Kauf im Zoohandel oder Fachhandelt hat Vor- und Nachteile. Während man sich im Zoogeschäft ausgiebig beraten lassen kann und die Ställe direkt vor Ort aufgebaut begutachten und auf deren Stabilität untersuchen kann, erhält man im Internet meist etwas günstigere Preise und muss auf eine Fachberatung verzichten. Umso wichtiger ist es – wenn Sie Geld sparen möchten – sich selbst vorab zu informieren und nicht einfach blind den Kaninchenstall Testsieger auf Basis der Meinung eines Vergleichsportals zu kaufen. Wichtig ist, dass Sie sich selbst vorab überlegen, welche Größe Sie möchten und auf welche Kriterien Sie besonderen Wert legen. Dies gilt aber für den Kauf im stationären Handel ebenso, denn die wenigsten Verkäufer sind wirklich gut geschult, wenn es um die Haltung von Kaninchen geht. Es kommt also immer darauf an, an welchen Verkäufer man gerade gerät.

Im Einzelhandel muss man zudem mit einer geringeren Auswahl leben, so dass der Händler stets versuchen wird, sein Premiummodell an den Mann zu bringen und die eigenen Hersteller zu loben, statt objektiv zu bewerten. Eine Empfehlung für ein Modell, dass der Händler selbst nicht führt, wird man in den wenigsten Fällen erhalten. Hier schneiden Vergleichsportale und Plattformen wie Amazon deutlich besser ab, denn dem Vergleichsportal ist es am Ende des Tages egal, für welches Modell Sie sich entscheiden.

Der größte Vorteil beim Kauf im Internet ist sicherlich, dass man Meinungen von anderen Käufern einholen und untersuchen kann. Dies ist häufig die ehrlichste und beste Kritik, die man bekommen kann.

 

Die bekanntesten Hersteller von Kaninchenställen, die für ein winterfestes Gehege geeignet sind

Es gibt eine ganze Reihe von Herstellern, die gute Kaninchenställe im Sortiment haben. Häufig handelt es sich hierbei nicht explizit um Ställe für Kaninchen, sondern solche, die auch für andere Tiere wie beispielsweise Chinchillas oder Meerschweinchen genutzt werden können. Zu den bekanntesten Herstellern gehören:

  • Trixie
  • Zooprimus
  • Nanook

Darüber hinaus gibt es auch viele Anbieter, die große Kaninchenställe in kleinen Stückzahlen aus Holz produzieren. Diese Modelle findet man häufig überhaupt nicht im Fachhandel, sondern ausschließlich online.

 

Fazit

Für ein winterfestes Kaninchengehege spielt ein guter Kaninchenstall eine wichtige Rolle. Darüber hinaus ist es wichtig, eine bestmögliche Standortwahl zu treffen und genau zu überlegen, wie groß der Stall maximal sein kann, wo er gut vor der Witterung geschützt ist und ob Sie den Tieren einen ausreichend großen Auslauf im Freien geben können.

Erst wenn Sie alle Kriterien erfüllen können, sollten Sie sich genauer mit der Verarbeitung, Ausstattung und Handhabung verschiedener Modelle befassen und einen Preisvergleich durchführen. Orientieren Sie sich an den Empfehlungen für die Mindestgröße, machen Sie sich mit den Folgekosten vertraut und finden Sie das für Sie beste Modell am Markt, denn den einen besten Kaninchenstall für jeden gibt es nicht.

Gegebenenfalls sollte der Rückzugsort im Stall, in dem sich die Kaninchen aneinander kuscheln können, zusätzlich isoliert werden. Keinesfalls sollte ein Häuschen ohne Boden direkt auf der Wiese stehen, denn dies ist zu kalt. In der Realität würden die Tiere vor Frost geschützt in einer Höhle leben. Dies geht im Freigehege nicht, das Häuschen als Rückzugsort muss diese Höhle daher ersetzen und entsprechend frostfrei, gemütlich und warm sein. Auch sollten Sie keinesfalls ein Kaninchen alleine halten, denn es braucht die Nähe und Wärme.

 

 

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