Letztes Update: 31.10.20

 

Wenn Ihr Hund plötzlich viel Gewicht verliert, kann dies auf eine schwerwiegende Erkrankung hindeuten; muss aber natürlich nicht. Im Folgenden haben wir sieben häufige Ursachen für Sie zusammengefasst, die für einen plötzlichen Gewichtsverlust verantwortlich sein können. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass sich das Gewicht Ihres Hundes im Laufe seines Lebens ständig verändert. Dies beginnt bei den Wachstumsphasen vom Welpen zum Erwachsenen und zieht sich auch über den weiteren Verlauf des Lebens durch. Mit plötzlichem Gewichtsverlust meinen wir das unerwartete Verlieren von Gewicht innerhalb kurzer Zeit außerhalb der Norm. Denn dies kann ein Symptom für ein schwerwiegenderes Problem sein.

Allerdings: Nicht jedem plötzlichen Gewichtsverlust muss eine chronische Erkrankung zu Grunde liegen. Ein Tierarzt kann Ihnen helfen, die Ursachen zu ergründen und herauszufinden, wo genau das Problem liegt. Am Ende des Tages kann beispielsweise auch einfach eine Unterversorgung mit Nährstoffen der Grund sein.

 

1. Gastrointestinale Störung

Ein plötzlicher Gewichtsverlust kann ein Zeichen für eine gastrointestinale Störung sein. Mit anderen Worten: Eine Magen-Darm-Erkrankung. Gehen mit der Gewichtsabnahme Durchfall, Verstopfung, Erbrechen, Dehydrierung oder Lethargie einher, verhärtet sich der Verdacht, dass es am Magen-Darm-Trakt liegt. Häufig ist die Gewichtsabnahme in diesem Zusammenhang aber nur ein Symptom, das dadurch auftritt, dass das Tier weniger Appetit hat, entsprechend weniger frisst und dadurch Gewicht verliert.

 

2. Nierenversagen

Auch chronisches Nierenversagen ist ein sehr weit verbreitetes Problem bei Hunden. Man geht heute davon aus, dass bis zu 5% aller Hunde davon betroffen sind. Wenn die Nieren nicht ordnungsgemäß funktionieren, können die Stoffwechselfunktionen nicht mehr so funktionieren, wie es eigentlich sein müsste. Besonders häufig tritt dieses Problem bei Hunden auf, die das sechste Lebensjahr erreicht haben. Jüngere Hunde sind nur sehr selten von chronischem Nierenversagen betroffen. Ein häufiges zusätzliches Symptom bei Nierenversagen ist Trägheit und Abgeschlagenheit. Häufig kommen auch Erbrechen und Durchfall hinzu.

 

3. Megaösophagus

Auch im  Rahmen von Problemen bei der Futteraufnahme und Verdauung ist eine plötzliche Gewichtsabnahme eine häufige Begleiterscheinung. Gewichtsverlust tritt bei Megaösophagus als Begleiterscheinung auf. Ursache ist eine anschwellende Speiseröhre sowie weitere Fehlfunktionen, durch die die Nahrung nicht mehr effektiv in den Magen transportiert werden kann. Dadurch kann der Hund nicht mehr alle Nährstoffe aus der Nahrung ziehen und verliert in der Folge an Gewicht.

4. Lebererkrankungen

Lebererkrankungen führen bereits in einem frühen Stadium zu Gewichtsverlust, da mit ihr Erbrechen, Futterverweigerung und Trägheit einhergehen. Sollten Sie unsicher sein, hilft hier nur ein Gang zum Tierarzt, der die Leberwerte genauer untersuchen kann.

 

5. Exokrine Pankreasinsuffizienz

Arbeitet die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) nicht richtig, kann der Hund das Futter nicht ordnungsgemäß verdauen, da die Bauchspeicheldrüse keine ausreichende Menge an Verdauungsenzymen produziert, die für das Verdauungssystem erforderlich sind. Ähnlich wie bei Megaösophagus führt dies dazu, dass das Tier nicht die Nährstoffe und Energie aus der Nahrung ziehen kann, die er zum Halten seines Gewichts benötigt. Chronischer Durchfall und Heißhunger sind Begleiterscheinungen, die mit einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI) bei Hunden einhergehen. Der Hund versucht durch zusätzliches Fressen – leider vergeblich – die fehlende Energie aufzunehmen.

 

6. Diabetes

Hunde leiden sehr häufig an Diabetes. Wenn Sie das Gewicht Ihres Hundes nur unzureichend beobachten, ist es wahrscheinlich, dass plötzlich viel Gewicht zu verlieren scheint und man diagnostiziert dann erst viel später Diabetes. Auch jüngere Hunde sollten, wenn sie hager sind und eine reduzierte Körpermasse haben, unbedingt auf Diabetes untersucht werden. Zumindest ist es wichtig, das Gewicht dann noch intensiver zu kontrollieren, um sicherstellen zu können, dass es stabil bleibt.

 

7. Unterversorgung durch Ernährung

Falsche Ernährung kann ebenfalls ein Grund für eine plötzliche Gewichtsabnahme sein. Auch Veränderungen im Verdauungssystem oder Unverträglichkeiten können dazu führen, dass die Verdauung des Futters Ihrem Hund Unbehagen bereitet, obwohl er es zuvor vielleicht gut vertragen hat. Die Bedürfnisse der Tiere ändern sich im Laufe seines Lebens. So kann es sein, dass das Futter, was Sie jahrelang genutzt haben, heute nicht mehr auf den Hund abgestimmt ist, da sich seine Verhaltensweisen oder sein Bedarf geändert haben. Nicht umsonst bieten alle großen Futterhersteller wie Bosch, Happy Dog oder Josera Hundefutter an, das spezielle auf die Bedürfnisse bestimmter Rassen sowie das jeweilige Alter zugeschnitten ist. Welpenfutter ist nicht für ausgewachsene Hunde geeignet und auch spezielles Seniorenfutter ist nicht für jeden Hund empfehlenswert. Hier gilt es also, stets die richtige Versorgung des Hundes gewährleisten und den Nährstoffbedarf decken zu können.

 

Was Sie tun sollten, wenn Ihr Hund plötzlich Gewicht verliert

Es ist schwer, selbst eine Diagnose zu stellen, wenn Ihr Hund plötzlich an Gewicht verliert. Die Ursachen können komplex und vielfältig sein, denn verschiedene chronische Erkrankungen können für die Gewichtsabnahme verantwortlich sein.

Sie sollten daher stets einen Tierarzt aufsuchen, wenn Sie eine deutliche Gewichtsabnahme feststellen. Über verschiedene Tests kann der Tierarzt die wahrscheinlichsten Ursachen schnell eingrenzen und einen individuellen Behandlungsplan aufstellen, um das Gewicht wieder auf ein normales Niveau anzuheben. Auch magen-Darm-Probleme lassen sich gut behandeln, die Symptome können gelindert werden und man bekommt sie heute gut in den Griff.

Was ist ein gesundes Gewicht für einen Hund?

Bei Hunden gibt es einen ähnlichen Wert wie den BMI bei Menschen, der als Anhaltspunkt hergenommen werden kann. Die Formel lautet:

(Gewicht in kg / 0,45) / (Höhe in cm / 2,54) = WTH-Index

WTH steht dabei für die Weight to Height Ratio, also das Verhältnis von Gewicht zur Höhe des Tieres. Um den Index zu ermitteln, muss man das Tier zunächst wiegen und danach vom Boden bis zum höchsten Punkt zwischen den Schulterblättern messen. Der WTH ist allerdings nur ein grober Anhaltspunkt und er sagt nicht wirklich viel darüber aus, ob der Hund adipös oder sehr muskulös ist. Dennoch kann er als Richtlinie verwendet werden, insbesondere, wenn es um Untergewicht geht.

Ein Wert über 3 beim WTH bedeutet bei den meisten Rassen, dass der Hund bereits Übergewicht haben kann. Ab etwa 2,5 sollte man bei den meisten Hunden das Training straffen, um einen Idealwert um die  2 anzustreben. Liegt der Wert bei normal großen Rassen deutlich darunter, sollten Sie das Gewicht genau im Auge behalten und versuchen, durch eine Ernährungsumstellung oder mehr Bewegung wieder auf ein normales Niveau zu kommen. Allerdings muss man hier nochmals zwischen den verschiedenen Rassen unterscheiden, denn der ideale WTH Wert unterscheidet sich deutlich zwischen verschiedenen Rassen. Im Folgenden haben wir Ihnen die Idealwerte für einige ausgewachsene Hunderassen zusammengefasst:

  • Australian Shepherd 22,5 kg 55cm Höhe 2,3 WTH
  • Boxe   30 kg 60 cm Höhe 2,7 WTH
  • Bulldogge   25 kg 38 cm Höhe 3,7 WTH
  • Jack Russel     7 kg 33 cm Höhe 1,2 WTH
  • Labrador   31 kg 60 cm Höhe 2,9 WTH
  • Rottweiler Männchen   50 kg 65 cm Höhe 4,2 WTH
  • Yorkshire Terrier     3 kg 18 cm Höhe 0,9 WTH

 

Sie sehen, dass bei kleinen Rassen ein WTH von unter 2 keineswegs auf Untergewicht hindeutet. Es gilt also immer, dass erst dann die Alarmglocken läuten sollten, wenn der empfohlene WTH-Index unterschritten wird und das Tier weiterhin an Gewicht verliert. Schlanke Hunde müssen natürlich nicht immer den Idealwert haben und auch ein etwas erhöhter Wert muss kein Anzeichen für Übergewicht sein. Hier gelten ähnliche Richtlinien wie beim BMI. Nutzen Sie die Werte als Richtwerte, um das Gewicht zu überprüfen und zu beobachten.

 

Fazit

Unabhängig davon, woran es am Ende des Tages liegt, dass Ihr vierbeiniger Freund an Gewicht verliert. Sie sollten es ernst nehmen und insbesondere schwerwiegende Erkrankungen nicht vernachlässigen. Denken Sie daran, dass Ihr Hund darunter leidet und im Laufe der Zeit weitere Beschwerden hinzukommen können, wenn das Symptom unbehandelt bleibt. Nur bis zu einem gewissen Grad kann in Eigendiagnose versucht werden, dem Problem auf die Schliche zu kommen. Schaffen Sie dies nicht, sollten Sie unbedingt einen Fachmann aufsuchen, damit Ihr Hund nicht unter den Problemen leiden muss.

Einfach nur mehr Futter zu geben und zu hoffen, dass dies das Problem löst, mag zwar im ersten Moment helfen, der Ursache sind Sie damit aber nicht auf den Grund gegangen.

 

 

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